Eine Meerjungfrau auf einer Mondsichel

Als ich zum Lift kam, wartete sie bereits dort. Sie war von auffallender Schönheit. Ihre wachsamen Rehaugen blickten aufmerksam umher und schienen jede Kleinigkeit zu registrieren. Im Lift stand ich direkt hinter ihr und konnte ihr Tatoo auf ihrem Nacken betrachten, ohne dass mir aufging, was es oder ob es was Bestimmtes zu bedeuten hatte. Es zeigte eine Meerjungfrau, die auf einer Mondsichel saß – darum herum verstreut Sterne von unterschiedlicher Größe. Wir gingen beide zur U-Bahn. Ich hielt mich hinter ihr, fuhr mit ihr die Rolltreppe hinauf. Wir stiegen ins gleiche Abteil. Sie setzte sich auf einen Doppelsitz und hatte etwas zu jonglieren, um sich mit ihren zahlreichen Einkaufstüten, die sie in beiden Händen trug, zu platzieren. Ich nahm direkt ihr gegenüber Platz. Ihre Augen weiteten sich wie in einem kleinen Schrecken; sie schien mich von vorhin zu erkennen. Dann ein flackernder Moment und ihre Blicke begannen unruhig zu schweifen. Dabei nutzte ich die Gelegenheit, ihre Muttermale, die unter dem Kinn auf dem schlanken Hals verstreut lagen, zu zählen – es waren 8 Stück, und ich fragte mich, ob sie der Stellung der tätowierten Sterne im Nacken entsprachen.

ROVI-SHI-RA

Collage

(beinhalteter Text: —– um eine Gefälligkeit —– tausend Schritt weit —–  eine schöne Fremde —– keine Kleidung trug)

Vor dem Kuss

„Und wie steht es mit der Liebe?“ fragte ich sie.

Sie sah mich aus blauen Augen von unten her an und schwieg.

Draußen tropfte der Regen leise auf das Fensterbrett, sonst war es still. Nur hin und wieder zwitscherte einer der Vögel, die im Geäst der Bäume und Sträucher auf der gegenüberliegenden Seite des Weges Schutz vor dem Regen gesucht hatten.

Kalter Wind

Die Nacht ist kalt. Der metallene Schneemann, den ich von meiner Freundin geschenkt bekommen habe, zeigt die Außentemperatur am Fenster: 4 Grad. Dazu ein böiger Wind. Natürlich habe ich den Ofen angemacht. Hin und wieder flackert es in der Küche durch das Sichtfenster hell auf, wenn Pellets in die Brennkammer nachfallen. Die Wärme erzeugt Behaglichkeit. Es ist knapp nach 4 Uhr früh; ich war die ganze Nacht auf, um mich auf die heute Abend beginnenden Nachtschichten vorzubereiten.